Die 10 wichtigsten Fragen zur Scheidung

  1. Was sind die Voraussetzungen für eine Scheidung?
  2. Ist eine Scheidung ohne Trennungsjahr möglich?
  3. Kann ein Ehegatte die Scheidung verhindern?
  4. Was kostet eine Scheidung?
  5. Ist eine Scheidung ohne Anwalt möglich?
  6. Wie lange dauert eine Scheidung?
  7. Welche rechtlichen Folgen hat eine Scheidung?
  8. Hat ein Ehegatte nach der Scheidung Anspruch auf Unterhalt?
  9. Wann kann der Name geändert werden?
  10. Wie wird das Vermögen der Ehegatten aufgeteilt?

1. Was sind die Voraussetzungen für eine Scheidung?

Voraussetzung für die Scheidung ist, dass die Ehe gescheitert ist.

Von einem Scheitern der Ehe ist ohne Weiteres auszugehen, wenn die Eheleute mindestens drei Jahre getrennt gelebt haben. Von einem Scheitern der Ehe ist aber auch dann auszugehen, wenn die Eheleute mindestens ein Jahr getrennt gelebt haben und beide Ehegatten der Scheidung zustimmen.

Haben die Ehegatten zwar mindestens ein Jahr, aber noch nicht drei Jahre getrennt gelebt und stimmt eine Ehegatte der Scheidung nicht zu, ist die Ehe nur dann als gescheitert anzusehen, wenn nicht erwartet werden kann, dass die Eheleute die eheliche Lebensgemeinschaft wiederherstellen. Davon ist aber regelmäßig bereits dann auszugehen, wenn der die Scheidung begehrende Ehegatte ernsthaft versichert, die eheliche Lebensgemeinschaft nicht wieder herstellen zu wollen.

Weitere Infos: Wann kann ich mich scheiden lassen?

2. Ist eine Scheidung ohne Trennungsjahr möglich?

Eine Scheidung setzt grundsätzlich voraus, dass die Eheleute mindestens ein Jahr lang getrennt gelebt haben. Eine Scheidung vor Ablauf des Trennungsjahres ist nur in seltenen Ausnahmefällen möglich. Voraussetzung für eine Scheidung ohne Einhaltung des Trennungsjahres ist, dass die Fortsetzung der Ehe für einen Ehegatten aus Gründen, die in der Person des anderen Ehegatten liegen, eine unzumutbare Härte darstellen würde.

3. Kann ein Ehegatte die Scheidung verhindern?

Eine Scheidung setzt nicht die Zustimmung beider Ehegatten zur Scheidung voraus. Wenn ein Ehegatte die Scheidung beantragt, wird eine Ehe auch ohne Zustimmung des anderen Ehegatten geschieden, wenn eine Trennungszeit von drei Jahren abgelaufen ist. Bei einer Trennungszeit von weniger als drei Jahren aber mindestens einem Jahr wird die Ehe grundsätzlich dann auch ohne Zustimmung des anderen Ehegatten geschieden, wenn der Antragsteller ernsthaft versichert, dass er die eheliche Lebensgemeinschaft nicht wieder herstellen will.

Liegen diese Voraussetzungen vor, kann der andere Ehegatte, der die Scheidung nicht will, diese nur in besonderen Ausnahmefällen verhindern. Voraussetzung ist, dass die Aufrechterhaltung der Ehe im Interesse der aus der Ehe hervorgegangenen minderjährigen Kinder aus besonderen Gründen ausnahmsweise notwendig ist oder wenn die Scheidung für den anderen Ehegatten auf Grund außergewöhnlicher Umstände eine so schwere Härte darstellen würde, dass die Aufrechterhaltung der Ehe ausnahmsweise geboten erscheint.

4. Was kostet eine Scheidung?

Eine Scheidung verursacht immer Gerichts- und Anwaltskosten. Deren Höhe richtet sich nach dem sogenannten Gegenstandswert. Der Gegenstandswert einer Scheidung errechnet sich aus dem dreifachen monatlichen Nettoeinkommen der Eheleute zuzüglich eines bestimmten Betrages für den Versorgungsausgleich (mindestens 1.000 €). Die konkrete Höhe der Gerichts- und Anwaltskosten ergibt sich dann aus gesetzlichen Gebührentabellen.

Von den Gerichtskosten müssen beide Ehegatten in der Regel die Hälfte zahlen. Die Anwaltskosten muss der Ehegatte zahlen, der den Anwalt beauftragt hat.

weitere Infos: Was kostet eine Scheidung?

5. Ist eine Scheidung ohne Anwalt möglich?

Nein, eine Scheidung ohne Anwalt ist in Deutschland nicht möglich. Für das gerichtliche Scheidungsverfahren gilt Anwaltszwang. Allerdings müssen nicht beide Ehegatten im Scheidungsverfahren anwaltlich vertreten sein. Es genügt, wenn der Ehegatte, der den Scheidungsantrag einreicht, einen Anwalt beauftragt.

Weitere Infos: Wie läuft eine Scheidung ab?

6. Wie lange dauert eine Scheidung?

Ab der Einreichung des Scheidungsantrags bis zur mündlichen Verhandlung vor dem Familiengericht, an deren Ende der Scheidungsbeschluss verkündet wird, dauert es in der Regel mindestens zwischen drei und sechs Monaten. Das Scheidungsverfahren kann aber auch zwölf Monate oder noch länger dauern.

Die Dauer des Scheidungsverfahren hängt vor allem davon ab, ob das Gericht nur über die Scheidung oder auch über andere Fragen (wie z.B. Zugewinnausgleich, Unterhalt usw.) entscheiden muss. Die Verfahrensdauer wird außerdem u.a. davon beeinflusst, wie schnell die Gerichtskosten vom antragstellenden Ehegatten eingezahlt werden und wie viel Zeit die Ermittlung der Rentenansprüche zur Durchführung des Versorgungsausgleichs in Anspruch nimmt. Nicht zuletzt hängt die Länge des Scheidungsverfahrens auch von der Auslastung des/r zuständigen Richters/Richterin ab.

weitere Infos: Wie lange dauert eine Scheidung?

7. Welche rechtlichen Folgen hat eine Scheidung?

Eine Scheidung kann im Wesentlichen die folgenden Rechtsfolgen haben:

8. Hat ein Ehegatte nach der Scheidung Anspruch auf Unterhalt?

Nach der Scheidung hat der Ehegatte, der keine oder geringere eigene Einkünfte hat als der andere, prinzipiell einen Anspruch auf Zahlung von Unterhalt gegen den anderen.

Dieser Anspruch auf nachehelichen Unterhalt ist allerdings in der Regel zeitlich begrenzt. Ob und wie stark der Unterhaltsanspruch zeitlich begrenzt wird, hängt vor allem davon ab, wie lange die Ehe gedauert hat und ob der unterhaltsberechtigte Ehegatte durch die Rollenverteilung in der Ehe Nachteile im Hinblick auf eine eigene Erwerbstätigkeit erlitten hat. Bei langer Ehedauer und Vorliegen ehebedingter Nachteile kommt auch ein unbefristeter nachehelicher Unterhaltsanspruch in Betracht.

Ein Anspruch auf nachehelichen Unterhalt besteht dann nicht, wenn der Unterhalt begehrende Ex-Ehegatte eine angemessene eigene Erwerbstätigkeit ausüben könnte, mit der er seinen Unterhaltsbedarf selbst verdienen würde.

weitere Infos: Hat ein Ehegatte nach der Scheidung Anspruch auf Unterhalt?

9. Wann kann der Name geändert werden?

Wenn ein Ehegatte den Namen des anderen angenommen hatte, kann er nach der Scheidung wieder seinen früheren Namen annehmen. Die Namensänderung ist möglich, sobald die Scheidung rechtskräftig geworden ist. Die Scheidung wird einen Monat nach Zustellung des gerichtlichen Scheidungsbeschlusses an die Ehegatten rechtskräftig, wenn keiner der Ehegatten Beschwerde eingelegt hat. Die Scheidung wird bereits früher und zwar unmittelbar nach der Verkündung des Scheidungsbeschlusses durch das Gericht rechtskräftig, wenn beide Ehegatten im Scheidungstermin vertreten durch ihre Anwälte einen Rechtsmittelverzicht erklären.

weitere Infos: Wie läuft die Änderung des Namens nach der Scheidung?

10. Wie wird das Vermögen der Ehegatten aufgeteilt?

Soweit sich die Ehegatten nicht einvernehmlich über die Aufteilung ihrer Vermögenswerte einigen, gelten für die Vermögensaufteilung im Zusammenhang mit der Scheidung die folgenden Grundsätze:

Jeder bekommt die Sachen, Wertgegenstände und sonstige vermögenswerte Positionen (z.B. Bankguthaben, Aktien) für sich allein, die ihm allein gehören. Gehört ein Vermögensgegenstand beiden Ehegatten gemeinsam, ist dieser zwischen ihnen aufzuteilen. Dies geschieht notfalls durch einen Verkauf oder eine Versteigerung und die Aufteilung des Verkaufs- bzw. Versteigerungserlöses.

Wenn ein Ehegatte während der Ehezeit eine größere Mehrung seines eigenen Vermögens erzielt hat als der andere, kann der Ehegatte mit dem geringeren Vermögenszuwachs außerdem die Zahlung der Hälfte der Differenz zwischen dem Vermögenszuwachs des anderen und des eigenen Vermögenszuwachses als Ausgleich verlangen (Zugewinnausgleich).

Darüber hinaus werden bei der Scheidung die während des Bestehens der Ehe erworbenen Rentenansprüche der Ehegatten untereinander aufgeteilt. Jeder Ehegatte bekommt die Hälfte der in der Ehezeit erworbenen Rentenansprüche des anderen übertragen (Versorgungsausgleich).

weitere Infos: Wer bekommt was nach der Scheidung?

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